Geschichte und Geschichten

Bei Abrissarbeiten zum Anbau des Biergartens im Jahre 1993 fanden die Bauarbeiter eine Bierflasche mit einem Schnappverschluss.In der Maurermeister Edmund Putzer aus Kursdorf neben einen Fetzen, der “Altenburger Zeitung”, vom 10. September 1910, der Nachwelt folgende Notiz auf Butterbrotpapier hinterließ : ”Das im Jahre 1697 erbaute “Weiße Roß”,das vorher anderen Zwecken diente, wurde abgebrochen, um es der Zeit entsprechend zu gestalten. Der Besitzer Herr Beyer“Die Notiz enthielt neben der Namen der Maurer Lois Krause, Schröder, Kämpfe, Siegert, Buschendorf, Panzer und noch einigen mehr” den Hinweis, dass die Zeiten nicht die Besten waren. Der Maurerlohn betrug die Stunde 49 Pfennige. Das Fleisch kostete 90 Pfennige, Wurst 100 Pfennige, wahrscheinlich das Pfund.

Der Sommer fiel schlecht aus, die Kartoffeln waren missraten. Allgemein gilt 1697 als Geburtsjahr des ersten herrschaftlichen Gasthofes mit der Poststation” Zum Weißen Roß” in Crossen. 
Demnach diente er vor dem Umbau 1910 nicht bzw. kaum anderen Zwecken. Die Zeitzer Zeitung annoncierte zum Beispiel für den 3.März 1878 ein “Großes Extra Konzert” und Ball in dem Gasthof, „Weißes Roß“ zu Crossen gegeben von dem Trompetenorchester des Thüringischen Husaren Regiments Nr.12 unter der öffentlichen Leitung des Stabtrompeters Herrn Schütz. Der Eintritt betrug 40 Pfennige. Für den 13.April steht ein “Großes Konzert mit der Gesangsvorstellung unter der Leitung des Herrn von Fichtel aus Wien auf dem Programm und am 11.Januar 1881 als Novität das Schauspiel “Gräfin Lea” mit der Theatergesellschaft des Direktors de Nolte.

Am 3.Dezember 1893 gab es das ehemalige Humoristische Gesangskonzert des beliebten Muldetaler Männerquartetts neben dem Auftritt des Damendarstellers Herrn Doerhing. Dies kostete allerdings auch schon 50 Pfennige Eintritt. Gastwirt war damals schon Ferdinand Werner. Nach Ihm erwarb Wilhelm Beyer das Gasthaus. Er baute 1897 den Saal um 1910 das Vorgebäute so, wie es uns heute im Wesentlichen erhalten geblieben ist. Ruth Baumgärtel, selbst 28 Jahre Wirtin im “Weißen Roß” schrieb mancherlei Sachen auf, was Sie über die Geschichte und an Geschichten über den Gasthof erfuhr. Danach machte Wilhelm Beyer pleite, wohl bedingt durch die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges. Vom bankrotten Wilhelm Beyer übernahm Edwin Just das Etablissement. Pech mit zwei Frauen und einem hinterlistigen Buffetier trieb auch Ihn in den Ruin. Seine erste Frau lief Ihn davon und heiratete den Baumeister Kornmann. Die zweite zeigte wenig Interesse am Geschäft dafür umso mehr für schöne Kleider und für Spatzierfahrten mit dem Auto und ebenfalls an Ihrem Geliebten, den Fleischermeister Edmund Müller von neben an. Einmal schloss Sie Ihn im Schrank vom Zimmer 34 ein, damit Ihr Ehemann Ihn nicht ertappte. Dieser Episode zufolge heißt das Zimmer 34 heute noch das “Lustzimmer”. Doch schlimmeren Schaden fügte Ihm sein Buffettier Louis Bornemann zu. Er wirtschaftete so in die eigene Tasche, dass er sich bald selbst einen Gasthof in Caaschwitz kaufen konnte. 1929 starb Edwin Just total verschuldet. Das “Roß” ging für einen Papierkorb voller Rechnungen an den Zeitzer Brauereibesitzer Heinrich Oettler. Seinem ersten Pächter, Walter Schwarze, liefen ebenfalls die Frau davon und auch die Gäste. Schließlich machte er sich 1937 selbst bei Nacht und Nebel aus dem Staub. 

Er nahm ein Teil der Einrichtung mit und hinterließ einen Berg von Schulden bei Heinrich Oettler. Am 2.August 1938 kam der neue Pächter Paul Munkelt aus Leipzig. Heinrich Oettler modernisierte das Haus, ließ eine Zentralheizung und Toiletten einbauen, die Fassade neu Putzen und den Saal mit neuen Parkett versehen. Trotzdem gab es harte Zeiten für die Munkelts. Glücklicherweise blieben Ihn vieler seiner Leipziger Stammgäste treu und verbrachten Ihre Ferien bei Ihm in Crossen. Vollpension kostet 5 Mark. Das Bier kostete 25 Pfennige, Bohnenkaffee 30 Pfennige. Der Jahrmarkt, die Kirmes und die Vereinsfeste im Ort halfen Ihm zu überleben. Auch der großzügige Rabatt, dem Ihm die Oettler-Brauerei einräumte, half Ihm sehr. Der verhängnisvolle Zweite Weltkrieg verschlimmerte die geschäftliche Situation. Es durften beispielsweise keine Tanzveranstaltungen stattfinden.

Stattdessen bereitete sich im Frühjahr 1941 ein Bataillon der Infanterie auf den Einmarsch in die Sowjetunion in Crossen vor. Der Gasthof wurde zum Feldlager. Im Saal fand das Waffenreinigen statt, die Kegelbahn diente als Lager für die Marketenderwaren, die Wasch als Feldküche und das Jagdzimmer als Schreibstube. Nach Auszug der Truppen gen Osten mietete die Firma Zippel den für gastliche Zwecke ungenutzten Saal und funktionierte ihn zur Lagerhalle um. Für den Pächter war das besser als nichts.Bis zum 31.12.1958 blieb Paul Munkelt Gastwirt im “Weißen Roß”. Aus Altersgründen und vom Staat gedrängt, gab er zugunsten der HO auf. Da die rechtmäßige Besitzerin Marlies Krüger, geb.Oettler legal in den Westen gezogen war, verwaltete zunächst die Gemeinde, später die KWV das Anwesen. 

Die Bewirtschaftung übernahm die Tochter Paul Munkelts, Ruth Baumgärtel, die passionierte Chronistin des “Weißen Rosses”. 28 Jahre lief der Gasthof unter den Wirtsleuten Baumgärtel zur Zufriedenheit der Gäste gut. Als Ruth Baumgärtels Mann starb, schaffte Sie es nicht mehr alleine, den Betrieb zu bewirtschaften und setzte sich zur Ruhe, was nicht heißen soll, dass Sie sich nicht hin und wieder im Roß als gern gesehener Gast sehen lässt. Nach Ihr übernahm Anita Näte das Haus.

Sie führte es im gewohnten Stil weiter. Die Gäste gewöhnten sich schnell an Ihre impulsive Persönlichkeit. Mit der Wende machten die Oettler-Erben Krüger Ihre Ansprüche auf das “Weißes Roß” geltend.Sie beglichen sofort die in der Zeit aufgelaufenen Schulden, so dass der Übereignung nichts mehr im Wege stand. Der Plan, das Gasthaus zum Rathaus zu machen (natürlich mit Ratskeller), scheiterte schon im Vorfeld, an den viel zu hohen Kosten für die Gemeinde. Die Initiative versiegte also bald. Demgegenüber hegten die Krügers den Wunsch das “Weiße Roß” als das zu erhalten, was es für Crossen immer war. Allerdings wollten Sie es nicht selbst betreiben und suchten Käufer oder Pächter.

Offenbar Kamen Sie mit Nätes nicht unter einen Hut als Sie ein Gespräch mit dem Bürgermeister führten. Ralf Bäselt saß zu dieser Zeit schon im Gemeinderat ohne jeglichen Ambitionen, Gastwirt zu werden. Erst Ruth Baumgärtel half Ihm auf die Sprünge. Es folgte ein Gespräch mit seiner Frau Sabine, die beruflich gewisse einschlägige Erfahrungen besaß, dann eines mit den Krügers. Ein faires Angebot führte zur geschäftlichen Einigung. Ein, Zwei Jahre erhielten die Bäselts Zeit sich zu erproben. Nach einer so genannten Probezeit für die Wirtsleute Ralf und Sabine Bäselt, kauften Sie im Jahre 1993 das komplette Anwesen den Krügers ab. Zur gleichen Zeit begannen Sie Schritt für Schritt mit den Rekonstruktions- und Umbauarbeiten im und um das Haus. So entstanden in den Jahren 1993 bis 1999 ein gemütlicher Biergarten, ein eigenes Schlachthaus, eine vollautomatische Kegelbahn, eine Erholung spendende Sauna, ein Fahrradverleih, eine verglaste Rezeption für die Hotelgäste.

Der Schützenverein, die Fußballer und die Kaninchenzüchter nutzen diese Räumlichkeiten regelmäßig. Die Kegelkugeln rollen und 30 Gästen kann zurzeit Einzelzimmer, Doppelzimmer, Drei-Bettzimmer und Appartement ein komfortables Quartier geboten werden. Ein nicht unerfüllter Traum ist die Rekonstruktion des deutschen Ballsaales. Vielfache Zweckentfremdungen, zuletzt bis 1978 als Turnhalle beschädigten Ihn sehr.

Nur kärkliche Reste der Struktur lassen seinen einstiegen Barockenglanz noch erahnen.Doch ein Hoffnungsschimmer bleibt, denn er wurde in die List Thüringer Denkmäler aufgenommen. Ein mit dem Denkmalschutz in Einklang stehendes Projekt gibt es schon. Ein solcher Saal in einem so traditionellen Haus stünde den nunmehr tausendjährigen Crossen gut zu Gesicht. Er ist nutzbar für vielerlei Kulturelles und Gesellschaftliches. 

Die Wirtsleute hoffen auf die Förderung und auf das Interesse seitens der Gemeinde. Möglicherweise schaffen Sie, wieder Schritt für Schritt. Gemütlich ist es auch jetzt schon neu aufgehellte Vertäflung, dicke Deckenbalken, frisch duftende Blumen auf den Tischen. Der Stammtisch am grünen, noch intakten Kachelofen. Der Gast fühlt sich ins Milieu der “Goldenen Zwanziger” zurückversetzt. Über die Pfingstferien im Jahre 1995 feierte der Ort Crossen sein 1000-jähriges Bestehen. Zu diesem Ereignis fanden sich rund 15000 Besucher in dem 2000 Einwohner starken Ort ein, um mit Jubel, Trubel, Heiterkeit ausgelassen zu feiern. Mitten im Geschehen “kämpften” sich die Wirtsleute durch die viele Arbeit und die mit dem Fest verbundene Aufregung. Sie veranstalteten hier erstmals das bereits zur Tradition gewordene zünftige Ritteressen bei Fackellicht mit der Knochen-weg-werf Garantie auf dem großen Festsaal. Zu diesem Ereignis gründete sich auch die alte Rittergarde, die sich aus den Herren des “Donnerstagsstammtisches” zusammensetzt und mit den politischen Debatten des Alterspräsidenten Jung und Alt unterhält. Nach diesem außerordentlichen Ereignis stellten sich die Wirtsleute neuen Herausforderungen. 1996 wurde eine komplett neue Sanitäranlage installiert. 1997 wurde eine neue verglaste Rezeption an den hinteren Ausgang angeschlossen. Ab den Frühjahr 1998 arbeitete das Küchenpersonal in einer vergrößerten und modernisierten Küche, was die Trennung der warmen und kalten Küche erheblich verbesserte. Im Winter 1998 wurde ebenfalls das neue erbaute hauseigene Schlachthaus eingeweiht und findet seit her weit und breit großen Anklang.

Seit dem Frühjahr 1999 können die Besucher des Gasthofes & Hotel “Weißes Roß” die neu errichtete Sauna nutzen. Nicht zu vergessen ist auch der stetige Ausbau der nunmehr 20 Hotelzimmer, die alle mit TV, Telefon, Bad/Dusche und WC ausgestattet und neu möbliert sind, und eines davon im Erdgeschoß Behindertengerecht ist. Diese ständigen Aus- und Umbauten forderte viel Kraft, gerade in den Zeiten, in denen das Geschäft durch äußere Einflüsse, wie z.B. Neubau der Hauptstraße im Sommer 1997/98 die daraufhin für Wochen voll gesperrt war, auf eine harte Probe gestellt war. In denselben Jahr feierte das “Weiße Roß” seinen, ich möchte sagen Beachtlichen 300.Geburtstag. Das nächste war dann der Ausbau des Marktes 1999 als wieder der Durchgangsverkehr gesperrt war im Jahr 2000 wurde dann die Ortslage Ahlendorf gesperrt dem langsam überdrüssig. Das Geschäft stabilisierte sich trotzdem immer mehr und die Gäste blieben nicht völlig aus, durch vers. Kurse vom Heinrich-Schütz-Haus Bad Köstritz und des Deutsch-japanischen Liederkreis Berlin wurde das ganze natürlich immer sehr gut angenommen. Im Jahre 2000 schmiedete Herr Bäselt einen neuen bzw. schon mal da gewesenen Plan. Die Postagentur mit Postbank des Ortes bzw. der Verwaltungsgemeinschaft mit in die Rezeption zu intrigieren. Ab Januar 2001 hat sich jetzt die Post wieder im “Weißen Roß” etabliert. Zu vergangenen Zeiten war das “Weiße Roß” nachweislich schon einmal Poststation der Postrute von Turn&Taxis. Im Jahre 2003 wurde die Post vom Hotelbetrieb wieder getrennt da dieser nur noch vom Ralf Bäselt und seine treuen Mitarbeitern bewirtschaftet wird, wie ein wunder zu wirtschaftlich schweren Zeiten in denen sich sogar die einheimischen schwer tun ihre Feiern und Feste im „Weißes Roß“ zufeiern, da finden sich neu Stammgäste wieder auch dem Bereich Leipzig wie es in der Geschichte schon einmal einem Wirt half.

Vielen Dank für Ihr Interesse an der Gesichte unseres Hauses

Hochachtungsvoll
R. Bäselt

Drucken